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Klaus-Peter Bruns

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Herr Bruns, warum wurde der Auftrag an die Fiducia & GAD vergeben?

In den vergangenen zwei Jahren haben unsere Projekte KundenFokus Privatkunden und KundenFokus Firmenkunden die Omnikanal-Vertriebsstrategie der FinanzGruppe erarbeitet. Dass wir die Digitalisierungsoffensive und die Realisierung von KundenFokus in Bezug auf agree21 übernehmen, hat der BVR-Verbandsrat Anfang 2018 beschlossen. Somit liegt die Projektsteuerung bei uns, die Gesamtsteuerung übernehmen der Ständige Projekt- und Strategieausschuss (SPSA) und die BVR-Fachräte.

Was folgt als Nächstes?

Die neue Vertriebsplattform ist das Herzstück von KundenFokus. Sie bietet innovative Möglichkeiten für unsere Banken und ihre Kunden. Sie stärkt die Banken im Vertrieb und macht sie bereit für die Zukunft. Die Stichworte sind hier: Schnelligkeit, Effizienz, Komfort und Durchgängigkeit.

Was heißt das genau?

Wir schaffen für die Bank eine integrierte Sicht auf ihre Kunden, indem wir die Omnikanal-Fähigkeit für die gesamte Vertriebsbank in agree21 umsetzen. Damit kann die Bank ihre Vertriebspotenziale besser ausschöpfen, und die Bankkunden bekommen ein modernes Nutzererlebnis ohne Medienbrüche. Der Kunde kann dann ganz bequem seine Bankgeschäfte über jedes Medium beginnen, fortführen und abschließen – also online, mobil, telefonisch, in der Filiale oder am SB-Gerät.


Bedeutet das auch schnellere Abläufe für den Bankkunden?

Richtig, denn wir bauen unter anderem auch die One-and-done-Prozesse aus. Neukunden können dann zum Beispiel Girokonten, Bankdepots oder Union-Investment-Depots direkt online eröffnen, ohne dass die Bank im Anschluss den Vorgang noch einmal nachbearbeiten muss. Doch das ist noch nicht alles: Auch Beratungsthemen verlagern sich zunehmend ins Internet. Geplant ist zum Beispiel eine Omnikanal-Beratung Immobilie, die der Kunde komplett selbst durchführen kann. Bei Bedarf kann die Bank diesen Vorgang natürlich aufgreifen und individuell unterstützen.


Welche Vorteile ergeben sich für die Banken durch die neue Plattform?

Erstens können die Produkte durch den modularen Aufbau sehr viel schneller eingeführt und auch wieder herausgenommen werden. So lassen sich lange Release-Zyklen vermeiden. Zweitens profitiert der Vertrieb von den besseren Analysewerkzeugen und Daten, denn damit ergeben sich viel mehr Anknüpfungspunkte: Der Bankmitarbeiter erhält mit nur einem Knopfdruck eine integrierte Rundumsicht auf den Kunden, seine Historie und seine Interessen. Drittens spüren die Bankmitarbeiter eine deutliche Entlastung, weil einfachere Beratungsanlässe im Internet erledigt werden und sie sich somit auf die anspruchsvollen Themen konzentrieren können. Dadurch steigt die Qualität der Beratung.


Ermöglicht die Vertriebsplattform auch eine Öffnung zu Verbund- und Drittlösungen?

Auf jeden Fall. API-Schnittstellen (Application Programming Interfaces) sind der Schlüssel für den Aufbau digitaler Ökosysteme für die Primärbanken. Vor allem im Immobilienbereich ist die regionale Verbundenheit der Volksbanken und Raiffeisenbanken ein entscheidender Vorteil. Warum sollte man dem Kunden dann nicht entsprechende Mehrwertdienste zur Verfügung stellen?


Wie werden sich die Privatkunden- und die Firmenkunden-Initiative unterscheiden?

Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Kernprinzipien immer die gleichen sind: Omnikanal-Beratung, übergreifende Kundensicht und One-and-done-Prozesse. Ein multibankfähiges Portal und eine eigene App sollen das Angebot für die Firmenkunden zukünftig ergänzen.


Wie ist der Aufbau der neuen Plattform vonseiten der Fiducia & GAD geplant und
wie geht die Fiducia & GAD mit der Projektverantwortung um?

Da uns direkte Rückmeldungen wichtig sind, binden wir die Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie die Unternehmen der FinanzGruppe in agile Entwicklungsteams ein. Wichtig ist, dass wir schnell an den Start gehen. Es ist eine große Verantwortung für die Fiducia & GAD, dass uns die Genossenschaftsgruppe das Schlüsselprojekt zur Digitalisierung übertragen hat. Es ist aber zugleich eine hervorragende Gelegenheit zu zeigen, was wir können. Wir übernehmen damit die Rolle des zentralen Gestalters der Digitalisierung innerhalb der FinanzGruppe. Selbstverständlich werden wir alle unser Bestes geben, damit KundenFokus ein Erfolg wird.


Wie ist der zeitliche Ablauf?

Der ist ziemlich straff. Der offizielle Projektstart war Ende Februar. 2018 wird es vor allem darum gehen, die neue Vertriebsplattform aufzubauen. Doch die ersten drei Lösungen warten schon – die Omnikanal-Beratung Immobilie, die Omnikanal-Beratung Firmenkunden sowie die PDS2-Mehrwertleistungen. Bis zum Herbst sollen die Prototypen dafür fertig sein. Bis 2020 wollen wir KundenFokus in großen Teilen realisiert haben.

„Die neue Projektverantwortung ist eine hervorragende Gelegenheit zu zeigen, was wir können. Wir übernehmen damit die Rolle des zentralen Gestalters der Digitalisierung innerhalb der Finanz-Gruppe. Selbstverständlich werden wir alle unser Bestes geben, damit KundenFokus ein Erfolg wird.“

Klaus-Peter Bruns

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sprecht miteinander

Die Genossenschaftsbanken attestieren sich oft selbst ein angestaubtes Image. Der entscheidende Hebel, um hier anzusetzen, ist eine moderne und zeitgemäße Kundenansprache.

Die Trendstudie „Bank & Zukunft“ des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO legt den Finger in die Wunde: Zwar sehen die Geldinstitute die Intensivierung des Kundenmanagements als eines der wichtigsten Themen, aber: „Die vielfach proklamierte Kundenzentrierung findet so gut wie nicht statt.“ Dialog und Austausch mit dem Kunden, so das Urteil der Autoren, kommen im Alltag der Banken zu kurz.

Wo stehen hier die Volksbanken und Raiffeisenbanken? Mit den KundenFokus-Projekten ist auf Verbundebene in den letzten Jahren viel in Gang gesetzt worden. Die Fiducia & GAD hat passend zu dieser Strategie ihr Bankverfahren um immer neue Tools ergänzt. Die drei folgenden Beispiele veranschaulichen, wie die Banken das Thema angehen.

„jeden stein umgedreht“

Nicolai Vollmer, 34, ist Bereichsleiter Vertriebsmanagement bei der Volksbank Mittlerer Schwarzwald eG mit Sitz in Wolfach und Triberg. Das Haus mit seinen rund 250 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro hat mit seinem KundenServiceCenter (KSC) eine neue Ära der Kundenansprache für sich eingeleitet.

„Im Februar ist das KSC mit sechs Mitarbeitern an den Start gegangen. Es ist täglich von sechs bis 22 Uhr, am Wochenende von neun bis 14 Uhr geöffnet. Das Team ist vorerst ein reines Inbound-Center und erreichbar per Telefon, E-Mail, WhatsApp und Chat. Dabei lassen wir uns von agree21Voice und agree21KSC unterstützen.

Bis Ende dieses Jahres wollen wir auch als Outbound-Center operieren. Dann werden wir in die Videoberatung einsteigen und WhatsApp verstärkt für den Dialog mit unseren Kunden nutzen. Klar, der Kanal ist nur für unverfängliche Themen geeignet, ihn aber generell als zu unsicher abzustempeln, ist aus unserer Sicht die falsche Einstellung. Wenn WhatsApp für einen Großteil unserer Kunden der wichtigste Kommunikationskanal auf dem Smartphone ist, dann müssen wir diese Tatsache akzeptieren und uns damit auseinandersetzen und Lösungen finden.

Andreas Hofmann

Andreas Hofmann, 54, Vertriebsbeauftragter der Fiducia & GAD für die Volksbank Mittlerer Schwarzwald

Andreas Hofmann+
Nicolai Vollmer

Nicolai Vollmer

Andreas Hofmann

Andreas Hofmann

Andreas Hofmann, 54, Vertriebsbeauftragter der Fiducia & GAD für die Volksbank Mittlerer Schwarzwald
Nicolai Vollmer

Nicolai Vollmer

Und wir müssen uns dem Tempo dieser Medien anpassen. Wer auf WhatsApp oder im Chatroom nicht blitzschnell reagiert, hat verloren. Deshalb haben wir eine Mitarbeiterin auf das Thema Social Media angesetzt, die mit ihren 26 Jahren die Sprache der sogenannten Millennials beherrscht und ihre Erwartungshaltung kennt.

Das KSC ist für uns ganz klar das künftige vertriebliche Herz der Bank. 80 Prozent der Vorgänge soll es fallabschließend ­erledigen und zusätzlich Cross Selling betreiben. Unser Ziel ist, dass es zeitnah zum Profit-Center wird.

Rückblickend können wir sagen, dass es eine konkrete Entscheidung bei uns gab, die das heutige KSC überhaupt erst möglich gemacht hat – nämlich die Optimierung unseres Prozessmanagements mithilfe der Fiducia & GAD. Vor drei Jahren haben wir mit dem Passiv- und Verbundgeschäft begonnen. Wir haben wirklich jeden Stein umgedreht und keinen Prozess ausgelassen.

Am Ende standen etwas mehr als 200 Prozesse in agree21, die wir über unsere bankindividuelle Menüstruktur einbanden – ein Change-Projekt, das wir 2017 um die Optimierung der Aktivprozesse ergänzt haben. 80 Prozent dieser Prozesse konnten wir für das KSC übernehmen. Der Prozesskatalog war somit in nur drei Tagen fertig, und das Team konnte vom ersten Tag an mit einer vertrauten Umgebung arbeiten.“

„Die Volksbank Mittlerer Schwarzwald war schon immer sehr umtriebig, wenn es um Innovationen ging. Wann immer ich vor Ort bin, werde ich interessiert gefragt, was es Neues zu bestimmten Themen bei der Fiducia & GAD gibt. Meine Rolle als Vertriebsbeauftragter hat sich immer mehr von der Produkt- zur strategischen Beratung verlagert.“

Andreas Hofmann

„regionalität ist ganz wichtig“

Hauke Haensel, 50, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Pirna eG, findet nicht nur die Digitalisierung wichtig für einen moderneren Auftritt von Banken. Auch eine Neubesinnung auf regionale Nähe gehört für ihn dazu.

„Wir setzen stark auf die jüngeren Kunden, sprechen sie auf unserer Website direkt an und leiten sie auf eine eigene Landingpage weiter, die gezielt Schüler und Auszubildender anspricht. Auch auf YouTube sind wir mit einem eigenen Channel vertreten.

Sich modern aufzustellen, bedeutet für uns aber auch, die analoge Welt in der Region nicht zu vergessen. Beispielsweise haben wir 2012 eine ehemalige Tankstelle zur Bankfiliale umgebaut. Das ist jetzt die „Vermögenstankstelle“. Oder als das Elbhochwasser 2013 unsere Region getroffen hat: Da haben wir einen alten Citroën zum mobilen Geldautomaten umgebaut. Heute setzen wir ihn mit integrierter Schankanlage als „CashBar“ regelmäßig bei Stadtfesten und Kundenveranstaltungen ein.

Um ein echtes Gefühl für ihre zukünftigen Kunden zu bekommen, nutzen alle neuen Azubis und Studenten die Chance, sich mit den Aufgaben, Problemen und Arbeitsbedingungen der sozialen Dienste sowie der Landwirte vertraut zu machen – wichtiger Kundengruppen unseres Hauses also. Wir sehen darin die Möglichkeit, das Verhältnis zwischen den Kunden und ihrer Genossenschaftsbank zu festigen. Als Bank sollte man sich für die Zukunft eben einerseits digital schlaumachen, aber unbedingt auch die regionalen Eigenheiten beachten. Das ist ganz wichtig.“

„in der champions league spielen“

Arnold Miller

Arnold Miller

Arnold Miller

Arnold Miller

Arnold Miller, 52 , ist Vorstandssprecher der VR Bank Ravensburg-Weingarten eG. Für ihn geht es bei einem modernen Auftritt am Markt nicht um Kosmetik, sondern um knallharte Existenzgrundlagen einer Bank.

„Wir haben unseren Mitarbeitern schon vor Jahren die Gretchenfrage gestellt: Wie haltet ihr es mit der Zukunft? Wollt ihr in der Champions League spielen oder im Niemandsland der Tabelle bleiben? Es geht heute beim Thema Modernisierung nicht um Kosmetik wie etwa schönere Räumlichkeiten – es geht darum, den Anschluss im Wettbewerb nicht zu verlieren. Das ist eine existenzielle Angelegenheit.

Ein erster wichtiger Schritt war für uns die Auslagerung unseres Prozessmanagements an die Fiducia & GAD. 2013 haben wir mit dem Passivgeschäft angefangen, inzwischen sind auch die Bereiche Aktiv und Problem­kredit hinzugekommen. So konnten wir unsere IT-­Kosten senken, und unsere Berater haben mehr Spielraum, um ihre Kunden umfassender in komplexen Dingen zu betreuen.

Sicher, als Bank muss man auch den Mut haben, seinen Mitarbeitern zu sagen: Ab jetzt ist eine neue, deutlich strukturiertere Arbeitsweise angesagt. Das schreckt möglicherweise den einen oder anderen ab. Aber letzten Endes kann doch nur zählen, dass der Kunde sich professionell und zeitgemäß angesprochen fühlt. Das ist neben effizienteren Prozessen ein ganz wichtiger Aspekt, dass die Bankmitarbeiter digital und prozessual fit sind.

Wir haben unseren Mitarbeitern das Thema Digitalisierung mithilfe jüngerer Kollegen vermittelt. Die haben zum Beispiel Seminare gehalten, in denen der richtige Umgang mit Apps und Communitys oder die Kommunikation per WhatsApp ausprobiert wurde.
Hier haben wir in der FinanzGruppe oder auch unsere Kunden ja noch oft Vorbehalte wegen unserer Sicherheitsstandards.
Aber was nutzen uns diese Standards, wenn wir nicht auf den Plattformen mit unseren Kunden sprechen, die diese nun einmal bevorzugen? Wir müssen halt differenzieren, auf welchem Kanal welche Inhalte erlaubt sind. Aber wir dürfen uns nicht gegen den Wandel der Zeit sperren. Sonst steigen wir wirklich irgendwann ab, statt in der Champions League zu bleiben.“

Hauke Haensel

Hauke Haensel
Volker Pietzonka+

Volker Pietzonka

Volker Pietzonka, 49, Vertriebsbeauftragter der Fiducia & GAD für die VR Bank Ravensburg-Weingarten

Hauke Haensel

Hauke Haensel

Volker Pietzonka

Volker Pietzonka

Volker Pietzonka, 49, Vertriebsbeauftragter der Fiducia & GAD für die VR Bank Ravensburg-Weingarten

Sicher, als Bank muss man auch den Mut haben, seinen Mitarbeitern zu sagen: Ab jetzt ist eine ganz neue, deutlich strukturiertere Arbeitsweise angesagt. Das schreckt möglicherweise den einen oder anderen ab. Aber letzten Endes kann doch nur zählen, dass der Kunde sich professionell und zeitgemäß angesprochen fühlt. Da ist neben effizienteren Prozessen ein ganz wichtiger Aspekt, dass die Bankmitarbeiter digital und prozessual fit sind.

Wir haben unseren Mitarbeitern das Thema Digitalisierung mithilfe jüngerer Kollegen vermittelt. Die haben zum Beispiel Seminare gehalten, in denen der richtige Umgang mit Apps und Communities oder Kommunikation per WhatsApp ausprobiert wurde. Hier haben wir in der FinanzGruppe oder auch unsere Kunden ja noch oft Vorbehalte wegen unserer Sicherheitsstandards. Aber was nutzen uns diese Standards, wenn wir nicht auf den Kanälen mit unseren Kunden sprechen, die diese nun einmal bevorzugen? Wir müssen halt differenzieren, auf welchem Kanal welche Inhalte erlaubt sind. Aber wir dürfen uns nicht gegen den Wandel der Zeit sperren. Sonst steigen wir wirklich irgendwann ab, statt in der Champions League zu bleiben.“

„Die VR Bank Ravensburg-­Weingarten hat sich darauf verlassen, dass die Auslagerung des Prozess­managements an uns reibungslos funktioniert. Wir haben die Umstellung forciert, um die Bank vom Klein-Klein des Alltagsgeschäfts zu befreien. Eine Bank muss heutzutage nicht mehr jedes Rädchen bei ihren Prozessen selbst drehen.““

Volker Pietzonka

Horst Huber (li.) und Achim Krause+

Horst Huber (li.) und Achim Krause

Live-Schalte: Horst Huber (li.) und Achim Krause sprechen von Hannover aus im Video-Roundtable …

Evelyn Fluck und Mathias Schlegel

… mit Evelyn Fluck und Mathias Schlegel, die aus Konstanz teilnehmen.

Evelyn Fluck und Mathias Schlegel+
Horst Huber (li.) und Achim Krause

Horst Huber (li.) und Achim Krause

Live-Schalte: Horst Huber (li.) und Achim Krause sprechen von Hannover aus im Video-Roundtable …
Evelyn Fluck und Mathias Schlegel

Evelyn Fluck und Mathias Schlegel

… mit Evelyn Fluck und Mathias Schlegel, die aus Konstanz teilnehmen.

übersetzer? filter? netzwerker?

Die Vertriebsbeauftragten der Fiducia & GAD gehören zu den wichtigsten Ansprechpartnern der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Doch was bedeutet es für das Verhältnis zwischen Vertriebsbeauftragtem und „seiner“ Bank, wenn die Komplexität der Anwendungen und Lösungen in der IT-Welt sowie das Tempo der Innovationen so dramatisch zunehmen wie in den letzten Jahren? Wie viel Expertise kann der Vertriebler wirklich mitbringen, und welche Erwartungen stellen die Banken an ihn – auch im Hinblick auf ihre eigene Zukunftsfähigkeit?

In einer Videokonferenz haben wir nach Antworten gesucht und dabei Norden und Süden zusammengebracht. Vom Bodensee zugeschaltet: Evelyn Fluck, 37, Bereichsleiterin Unternehmensservice bei der Volksbank Konstanz, und der Vertriebsbeauftragte Mathias Schlegel, 43. Aus Niedersachsen dabei: Horst Huber, 63, Bereichsleiter Organisation und IT der Hannoverschen Volksbank eG, und der Vertriebsbeauftragte Achim Krause, 54.
Protokoll eines spannenden Gesprächs.

Um welche Themen geht es, wenn Sie sich zu Ihren Jour fixes treffen?

Mathias Schlegel: Bei uns stehen die Themen Prozessoptimierung und Digitalisierung im Vordergrund. Wir haben vor vier Jahren begonnen, die Volksbank Konstanz zunächst bei den Passiv- und später bei den Aktivprozessen zu beraten.

Evelyn Fluck: Das war eine sehr intensive Begleitung – ebenso wie bei der Digitalisierung. Hier geht es darum, uns nach innen wie nach außen fit zu machen. Sprich: Uns ist bewusst, dass es eine moderne Kundenberatung mithilfe digitaler Technologien nicht geben kann, wenn die notwendigen Standards nicht geschaffen werden und die Mitarbeiter mit diesen Technologien nicht vertraut sind.

Mathias Schlegel: Es geht vor allem darum, dass die Kunden ihre Bank immer erreichen, egal über welchen Kanal. Die meisten sind ja sogenannte hybride Nutzer, die mal nur über den Online-Account, mal per Telefon und mal persönlich in der Filiale Kontakt aufnehmen. In den Filialen selbst haben wir speziell geschulte Berater als „digitale Lotsen“ mit Tablets ausgestattet, die ihren Kunden die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der VR-BankingApp erklären.

Achim Krause: Ein Schwerpunkt unserer Meetings bei der Hannoverschen Volksbank liegt bei Lösungen, mit denen sich automatisierte Prozesse auf den Kunden verlagern lassen. Und dies aus zwei Gründen: um die Bankberater zu entlasten und natürlich, weil der User auch erwartet, dass er immer mehr Bankgeschäfte online fallabschließend erledigen kann.

Horst Huber: Neben der Digitalisierung haben wir in Hannover das Ziel, eine geeignete technische Kollaborationsplattform zu finden, über die unsere Mitarbeiter in Zukunft Wissen und Informationen teilen und gemeinsam an Projekten zusätzlich arbeiten können. Da denken wir an eine Lösung vonseiten der Fiducia & GAD, zum Beispiel auf Basis von IBM Connections.

„Ich erwarte vom Vertriebsbeauftragten, dass er weiß, welche Themen für uns relevant sind. Das erfordert einen offenen Umgang miteinander. Wir brauchen gute Tipps, die zu uns passen, und keinen Produktverkauf.“

Evelyn Fluck

Was ist Ihnen bei den Beratungsgesprächen wichtig?

Evelyn Fluck: Wir gehen mit den strategischen und operativen Zielen, Anforderungen und Wünschen in die Meetings, die uns unser Führungskreis oder die einzelnen Bereiche mitgegeben haben. Wir wollen unsere Ziele rechtzeitig mit neuen Angeboten der Fiducia & GAD in Einklang bringen.

Mathias Schlegel: Mir ist sehr wichtig, als Vordenker und mit guten Empfehlungen in die Treffen zu gehen. Es gibt ja unendlich viele Herausforderungen, die auf die Banken einprasseln – Regulatorik, Markt oder auch – ganz aktuell – KundenFokus. Ich sehe mich da ein Stück weit als Übersetzer, um die Relevanz solcher Themen für das Tagesgeschäft der Bank zu erklären.

Horst Huber: Es ist sicher immer eine Mischung aus operativen und strategischen Punkten, die bei den Gesprächen eine Rolle spielen. Was eher zum Tagesgeschäft gehört, behandeln wir im monatlichen Jour fixe. Die Strategie kommt einmal im Vierteljahr auf den Tisch.

Achim Krause: Ich achte schon darauf, dass wir frühzeitig über die „großen Themen“ sprechen, über Perspektiven und Visionen. Man geht ja gemeinsam in Richtung Zukunft. Und da müssen beide Seiten nicht nur über die Stärken ihrer Innovationskraft reden, sondern auch ganz offen darüber, wo es noch hakt. Dabei kommt es sehr stark auf gegenseitiges Vertrauen an.


Betreiben Sie auch Brainstorming zu Zukunftsszenarien im Banking?

Achim Krause: Ja, auch. Wir haben uns zum Beispiel vor wenigen Monaten mit der Hannoverschen Volksbank zum Thema Robo-Advisory und künstliche Intelligenz ausgetauscht, zu dem wir einen Kollegen aus unserem Innovationsmanagement eingeladen hatten.

Evelyn Fluck: Reine Brainstormings hatten wir in Konstanz noch nicht. Für uns ist eher die COM die richtige Plattform, wo wir uns umfassend auch über die großen Trends von morgen informieren können. Auf der Messe verbringen wir immer zwei sehr intensive Tage und erhalten wichtige Impulse für unsere Treffen mit Herrn Schlegel.

Mathias Schlegel: Meist tauschen wir uns dann ja schon auf der COM zu solchen Dingen aus.

Horst Huber: Ja, das ist bei uns genauso. Die COM ist ganz einfach eine wichtige Informationsplattform. Deswegen gehen auch jedes Jahr eine ganze Reihe von Mitarbeitern aus Hannover dorthin – und dann treffen wir dort auch Herrn Krause.


Haben sich in den letzten Jahren die Gesprächsthemen verändert?

Horst Huber: Die Prozessautomatisierung ist bei uns ganz klar nach vorne gerückt. Über erste webbasierte Plattformen und Apps haben unsere Kunden einen direkten Zugriff auf unsere Prozessstrecken, wann und wo sie wollen. Für Routineaufgaben bietet sich heute bereits Robotic Process Automation (RPA) an, wie sie die Fiducia & GAD bei One-and-done-Prozessen mit ersten Angeboten eingeführt hat.

Achim Krause: Ich sehe einen Zuwachs bei den strategischen Themen, insbesondere wenn es um Fragen geht, die die Zukunft der Genossenschaftsgruppe als Ganzes betreffen – so wie etwa KundenFokus.

Evelyn Fluck: Also, dass sich mit der Zeit die Themen verändern, ist ja eigentlich logisch. Mir fällt aber vor allem auf, wie sehr sich das Tempo verändert hat.

Mathias Schlegel: Ich denke, hier liegt auch eine große Verantwortung für einen Vertriebsbeauftragten – der Bank zu helfen, mit diesem Tempo Schritt zu halten und den Überblick über die aktuellen Trends und Veränderungen nicht zu verlieren.


Frage an die beiden Vertriebsbeauftragten: Wie, glauben Sie, wird sich Ihre Rolle in den kommenden Jahren verändern?

Mathias Schlegel: In meinen Anfangszeiten reichten mir noch meine Leitzordner auf dem Schreibtisch, um alles rund um unsere Produkte griffbereit zur Hand zu haben. Das ist lange vorbei. Wir werden immer mehr zum Informationsfilter für die Banken, um die immense Vielfalt und Komplexität an Themen bewältigen zu können. Damit wächst unsere Rolle als strategischer Begleiter.

Achim Krause: Ich sehe uns in Zukunft eher wie Key-Accounter als Schnittstelle zwischen Bank und Fiducia & GAD. Das heißt, es kommt darauf an, zu den komplexen Themen, die anstehen, auf ein perfektes Netzwerk aus Spezialisten zuzugreifen, deren Expertise wir bedarfsgerecht einholen.